Lothar-Meyer-Gymnasium Varel

Einblicke in eine dunkle Zukunftsvision

Die Theaterbus-AG besucht das Schauspiel „1984“ nach Orson Welles

(21.10.2018, Bj/Rf) Auch in diesem Jahr erfreut sich die Theaterbus-AG wieder großer Beliebtheit: Rund 40 Schülerinnen und Schüler sahen in der vergangenen Woche gemeinsam mit Frau Roloff und Frau Brünjes das Theaterstück „1984“ nach dem Bestseller des amerikanischen Romanciers Orson Welles. Das Schauspiel wurde für das Oldenburgische Staatstheater von Regisseurin und Medienkünstlerin Luise Voigt inszeniert.

Während der Fahrt nach Oldenburg wurden die Schülerinnen und Schüler von Frau Roloff auf die Vorstellung eingestimmt: Schauplatz von „1984“ ist die totalitär strukturierte Welt Ozeaniens, in der der „Große Bruder“ die Handlungen und Gedanken der Menschen kontrolliert – kritische Ideen, individuelle Freiheiten und Liebesbeziehungen jeder Art werden nicht geduldet. Man bespitzelt und verrät sich gegenseitig; wer dennoch gegen die Regeln verstößt, der wird „vaporisiert“ oder im ominösen Raum 101 auf die Linie des Regimes gebracht. Den Protagonisten Winston Smith hält dies trotz großer Ängste nicht davon ab, sich Hals über Kopf in seine Genossin Julia zu verlieben und regelmäßig ein Tagebuch zu führen, in dem er seine Träume von einer freien, sozialen und demokratischen Gesellschaft festhält. Letztendlich wird er aus diesem Grund vom sogenannten „Ministerium für Wahrheit“ so lange psychisch unter Druck gesetzt, bis er zusammenbricht und nicht mehr in der Lage ist, eigenständig zu denken und zu fühlen.

Durchsetzt wird die Wellesche Narration mit biografischen Aspekten des russischen Tanzregisseurs Wsewolod E. Meyerhold, der in den 1920er Jahren die Biomechanik erfand – eine Tanztechnik, bei der die Tänzerinnen und Tänzer durch körperliche Bewegung spontan in eine Emotion hineinfinden sollten. Meyerhold wurde letztendlich Opfer der Stalinistischen Säuberungen in den 1940er Jahren und soll in dieser Theaterinszenierung wohl als Mahnung dienen, dass die dystopische Weltordnung von Orson Welles gar nicht so weit von unserer Lebenswirklichkeit entfernt ist, wie wir glauben. Zudem wird Meyerhold in diesem Stück dadurch gewürdigt, dass die Bewegungsabläufe des Ensembles auf dem Prinzip der Biomechanik beruhen und somit die gleichgeschaltete und unterdrückte Gesellschaft auch körperlich widerspiegeln.

Obwohl die Inszenierung passend zu Welles‘ dunkler Zukunftsvision gestaltet war und als audiovisuelles Gesamtkonzept überzeugte, gab es nach Meinung der Gruppe doch einige inhaltliche Längen und auch manch unklare Verzahnung von Welles‘ Roman und Meyerholds Biografie. Aber auch kritische Meinungen gehören dann und wann zu einem Theatererlebnis dazu; jedenfalls taten sie der guten Stimmung an diesem Abend keinen Abbruch. Die Theaterbusgruppe des LMG freut sich schon auf die nächste Fahrt nach Oldenburg!