Lothar-Meyer-Gymnasium Varel

Geschichte des Lothar-Meyer-Gymnasiums

Das höhere Schulwesen in Varel

Das Gebäude der höheren Bürgerschule, heute Stadtbibliothek (Nebbsallee 2005)

von Christoph Hufeisen und Sören Krieghoff

Der 21. Juli 1836 ist die eigentliche Geburtsstunde des höheren Schulwesens in Varel. An dem Tag machte Pastor Beußel in einem Brief den Vorschlag zur Errichtung einer höheren Bürgerschule, in der die Fächer Religion, Bibellektion, schriftliche Ausarbeitung, deutsche Sprache, Geschichte, Geographie, Naturwissenschaften, Gesang, Naturgeschichte, Mathematik, Latein, Rechnen und Schreiben unterrichtet werden sollten. Die erforderlichen Mittel sollten durch eine Stiftung angesammelt werden.

Die Grundsteinlegung fand am 10. August 1840 statt. Der Unterricht begann am 6. Mai 1841. Diese höhere Bürgerschule mit vier Klassen, in denen jeweils zwei Jahre unterrichtet wurde, stand in der Nebbsalle (das Gebäude wird heute von der Stadtbücherei genutzt).

Das Gebäude der Realschule, heute eine Grundschule (Osterstraße 2005)

Die Finanzierung ist eine beachtliche Leistung gewesen, wenn man bedenkt, daß die Stadt damals nur 3000 Einwohner besaß. Einer der Begründer der Schule war übrigens der Vater von Lothar Meyer.

Das Land Oldenburg zeigte kein Interesse daran, die Vareler Schule durch Gelder zu fördern. Wer bis dahin das Gymnasium besuchen wollte, mußte nach Oldenburg. Auch war in dieser Zeit unentschieden, ob das Schulwesen überhaupt die Sache des Staates sei. Auch in Varel selbst gab es Personen, die keine Notwendigkeit sahen, für ein höheres Schulwesen Geld auszugeben. Damals war für den Besuch der Schule ein Schulgeld zu entrichten. Nur der Besuch der unteren beiden Klassen war damals Pflicht. Alles weitere blieb in dem Ermessen der Eltern und vor allem deren finanziellen Mitteln vorbehalten. Die Klassenstärke lag bei der für uns kaum mehr vorstellbaren Zahl 50.

Neubau am heutigen Standort
(Moltkestraße 1908)

Ab 1873 übernahm die Stadt die Schulträgerschaft. In der Osterstraße wurde eine Realschule gegründet. Diese besaß einige Privilegien einer höheren Schule. Im Jahre 1926 wurde das erste Mal am heutigen LMG das Abitur abgenommen. Erst im Jahre 1975 wurde die Schule nach Lothar Meyer benannt.
 

Wie das Lothar-Meyer-Gymnasium zu seinem Namen kam

A- und V-Trakt (Moltkestraße 1908)

Der folgende Ausschnitt stammt aus einer im Jahre 1995 von Herrn Punzel, einem ehemaligen Lehrer an unserer Schule, gehaltenen Rede.

Herr Punzel: Vor nunmehr 25 Jahren kam ich auf der Suche nach einer Bleibe für länger an das Gymnasium in Varel, das damals schlicht "Gymnasium Varel" hieß. Ich unterrichte in den Fächern Mathematik und Physik. (...)

[Während des Unterrichts Anfang der 70er kam die Sprache auf ein gewisses chemisches Element und ich "belehrte" meine Schüler:] "Sie wissen hoffentlich, daß [das] Periodische System der Elemente zuerst von dem Deutschen Meyer und dem Russen Mendelejew angegeben wurde, die es unabhängig voneinander fanden." Ein Schüler meldete sich: "Lothar Meyer ist hier in Varel geboren!" "Das glaube ich nicht !" Leicht gekränkt zurück: "Sie trauen es wohl Varel nicht zu?" "Nein, das ist es nicht, aber dann hätte ich doch hier schon irgendein Denkmal, irgendein auf Lothar Meyer hinweisendes Zeichen finden müssen!" Zuhause angekommen habe ich dann (...) in einem alten Lexikon nachgesehen: Tatsächlich ! "Lothar Meyer, Chemiker, geboren am 19. August 1830 in Varel, ..., erkannte die Eigenschaften der Elemente als periodische Funktionen der Atomgewichte, ..." Kein Zweifel! (...)

Hauptgebäude und K-Trakt kurz nach der Fertigstellung (Moltkestraße 1986)

In der nächsten Physikstunde habe ich mich dann wohl etwas reichlich unakademisch, ja unvorsichtig geäußert: "Das ist ja unglaublich, daß die Stadtväter es nicht einmal fertiggebracht haben, diese Schule nach Lothar Meyer zu benennen! Das kenne ich aber aus meiner Heimat anders! Dort trägt das Gymnasium selbstverständlich den Namen des großen Sohnes der Stadt!" (...)

Eben dieser Schüler, der mich darauf aufmerksam gemacht hatte, daß Lothar Meyer in Varel geboren wurde, stellte [daraufhin] wenig später als Schülervertreter in der Gesamtkonferenz den Antrag, dem Gymnasium den Namen "Lothar-Meyer-Gymnasium" zu geben. (...) Nachdem man [in den übergeordneten Behörden] festgestellt hatte, daß Lothar Meyer ein unbescholtener Mann war, auch schon lange tot war, dazu ein ganz und gar politisch unbescholtener Mann war, vielleicht aber auch, daß er ein Mann mit großem wissenschaftlichen Verdienst war, gab man grünes Licht für diesen Antrag. So kam es, daß im Jahre 1975, als der Antragsteller schon längst die Schule als Abiturient verlassen hatte, das Gymnasium in Varel nach Lothar Meyer benannt wurde.

Archivbilder

Im Schularchiv fanden wir weitere Bilder, die wir Ihnen nicht vorenthalten wollen:

Die höhere Bürgerschule (Nebbsallee 1841)

Die Realschule (Osterstrasse 1877)

Besuch des Großherzogs
von Oldenburg (ca. 1908)

Der Schulhof. Der A-Trakt hatte damals
noch keinen "Appendix" (1908)

 

Kreuzung Moltke-/Gartenstraße. Der Baum
und die Villa stehen noch heute. Das
Wohnhaus in der Mitte wurde einem
Pavillion und später dem K-Trakt
geopfert. (ca. 1960)